Hamm Norden – Es gibt Schultage, die mit dem Deutschunterricht beginnen und mit einem höflichen „Bis morgen“ enden. Und dann gibt es Schultage, an denen in der Aula plötzlich ein Hund auf Arabisch bellt. Verantwortlich dafür war das Treibkraft.Theater aus Hamm, das mit seiner Produktion „Babylon – oder wie bellt ein Hund auf Arabisch?“ am 04.12.2025 die Aula des Galilei-Gymnasiums für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9-Q1 in ein kleines, vibrierendes Weltkulturzentrum verwandelte.
Das Stück, klug komponiert und mit augenzwinkerndem Humor von Matthias Damberg und Taoufik Moumina dargeboten, nahm die Jugendlichen mit auf eine Reise durch Sprachverwirrungen, kulturelle Begegnungen und die manchmal absurden, aber stets menschlichen Momente des Miteinanders. Zwischen tänzerischen Meisterleistungen, pointierten Dialogen und dem titelgebenden mehrsprachigen Hundegebell gelang es den beiden Schauspielern, ein Stück über Identität, Verständigung, aber auch Missverständnisse auf die Bühne zu bringen, das gleichzeitig tiefgründig und herrlich verspielt blieb. Das Erzähltheater bediente sich in Teilen verschiedener Sprachen, z.B. Arabisch und Französisch, und dennoch war die Aussage allen klar, auch wenn diese Sprachen kaum oder nicht gesprochen wurden.
Die Ringparabel als moralischer Kompass
Besonders beeindruckend war die geschickte Einbindung der Ringparabel Lessings, deren Botschaft – die Gleichwertigkeit verschiedener Glaubensrichtungen und die Notwendigkeit von Toleranz – in einer konzentrierten, humorvoll zugespitzten Szene auf den Punkt gebracht wurde. Die bekannte Geschichte erhielt in dieser Inszenierung eine moderne Note und wirkte wie ein ruhender Pol im quirlig-komischen Treiben des Stücks. Einige Schülerinnen und Schüler erkannten die Lessingsche Parabel aus dem Unterricht wieder und zeigten sich sichtlich beeindruckt, wie nahtlos sie in die Handlung eingewoben war.
Höhepunkte mit Lernwert
Einer der Höhepunkte des Vormittags war eine Szene, in der die Schauspieler kulturelle Unterschiede hervorhoben und darüber berichteten, wie diese auch als Bereicherung gesehen werden können. Ehe man damit rechne, könne es passieren, sich Eigenheiten fremder Kulturen anzueignen, die einerseits etwas verschroben wirken könnten, andererseits eine liebenswerte Seite besäßen, da es – wie so oft – auf die Perspektive ankomme.
Die Schülerschaft quittierte diese Darbietung mit ehrlichem Staunen und häufig auch heiterem Gelächter. Der humorvolle Zugriff war ein geschicktes Mittel, um die stets aktuellen Themen greifbar zu machen: kulturelle Vielfalt, Orientierungslosigkeit in einer globalisierten Welt und die Frage, wie man eigentlich miteinander spricht, wenn man nicht dieselbe Sprache teilt. Die Antwort wurde glasklar: Wenn man mit dem Herzen spricht, versteht man alle Sprachen!
Fragen, Fakten, offene Ohren – das Nachgespräch
Im Anschluss an die Aufführung fand ein lebendiges Nachgespräch statt, in dem die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit hatten, ihre Fragen direkt an die beiden Schauspieler zu richten. Die Offenheit und der Humor der Schauspieler sorgten für einen Austausch, der sowohl informativ als auch inspirierend war.
Ein Blick in die Zukunft: Kooperation in Sicht
Die Organisatorin, Sarah Pfeiffenberger, Lehrerin u.a. für Literatur am Galilei-Gymnasium, zeigte sich begeistert und betonte die Bedeutung solcher Theaterbegegnungen für die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen. Eine Zusammenarbeit mit dem Treibkraft.Theater ist bereits angedacht. Ziel ist es, künftig regelmäßig Aufführungen für ausgewählte Jahrgangsstufen anzubieten und gleichzeitig die Theaterkurse des Gymnasiums von der Expertise der Truppe profitieren zu lassen. Workshops, Probenbesuche oder gemeinsame Projekte stehen als Möglichkeiten im Raum – und werden die Theaterlandschaft der Schule nachhaltig bereichern.
Wenn dieses Gastspiel ein Vorgeschmack auf diese Kooperation war, dann darf man sich auf viele weitere Schultage freuen, an denen nicht nur Wissen auf die gewohnte Art vermittelt wird, sondern Theater verbindet.







