Treibkraft.Theater gastiert erneut am Galilei-Gymnasium

Über manche Tage spricht man nicht gern. Man schiebt sie beiseite, nennt sie belanglos oder hofft, sie gingen einfach vorbei. Das Treibkraft.Theater jedoch nennt sie beim Namen: „Nichttage“. Mit diesem eindrucksvollen Stück gastierte das Ensemble im Rahmen der bestehenden Kooperation am 15.01.2026 erneut in der Aula unseres Gymnasiums – und traf damit einen Nerv.

Im Zentrum der Aufführung für die Jahrgangsstufen 8 und 9 stand ein Thema, das schwer wiegt und dennoch allgegenwärtig ist: Depression.

Reimar de la Chevallerie als Regisseur, begleitet von dem Autor Erpho Bell und dem Komponisten Roman D. Metzner, erschuf das mobile Objekttheater in Zusammenarbeit mit der LWL-Uniklinik Hamm für Jugendliche ab 12 Jahren.

Sensibel, nahbar und zugleich künstlerisch anspruchsvoll näherten sich die Schauspieler Bahar Sadafi und Matthias Damberg diesem komplexen Feld – in der besonderen Form des Objekttheaters.

Noch bevor die eigentliche Geschichte begann, bezogen die Darsteller die Schülerinnen und Schüler aktiv mit ein. Kleine Aufwärmübungen sorgten für eine offene, wache Atmosphäre und bereiteten das Publikum bewusst auf das ernste Thema vor. Sich dem Thema der Depression zu nähern, so betonten die Schauspieler in ihrer Einführung, sei schwierig – auch für sie selbst. Die einjährige Arbeit am Stück beschrieben sie als „traurig, aber liebevoll, anstrengend, hoffnungsvoll und manchmal ermüdend“.

Erzählt wurde die Geschichte nicht über klassische Rollen, sondern über Alltagsgegenstände, die stellvertretend für Menschen und Gefühle standen. Eine Rolle Tape wurde zu André, dem Vater der Jugendlichen Petra. Ein Telefonhörer symbolisierte Anne, Petras Mutter – Lehrerin, gute Zuhörerin, scheinbar jemand, der weiß, wie das Leben funktioniert. Besonders eindrucksvoll war die Darstellung des Innern von Noah, einem Jugendlichen, der selbst an Depressionen leidet. Seine innere Welt wurde mithilfe eines Overheadprojektors visualisiert: Ein Wasserbecken, farbige Tropfen und das langsame Versickern von Farben machten Gedanken, Gefühle und schwindende Hoffnung sichtbar.

Das Stück zeigte auch, wie hilflos das Umfeld oft auf die schwer greifbare Krankheit reagiert. Gut gemeinte, aber verletzende Sätze wie „Reiß dich zusammen“, „Sei doch ein Mann“ oder „Steh einfach auf“ machten deutlich, wie wenig solche Ratschläge helfen – und wie sehr sie schmerzen können. In einem besonders starken Moment wurde es plötzlich dunkel: Noah hörte nichts mehr. Ein kraftvolles Bild für den inneren Rückzug. Parallel dazu erschien das Zimmer von Finja, einer weiteren Betroffenen, dargestellt durch ein kleines Haus. In ihrem Zimmer lebt das ominöse „Nicht“ – ein eindringliches Sinnbild für die Depression selbst.

Beide Figuren zeigten unterschiedliche Facetten derselben Krankheit. Noah zieht nach außen sein „Lächeln an“, sagt „Alles gut“, während innerlich „Alles scheiße“ ist. Das Stück machte deutlich, wie sehr viele Betroffene das Gefühl haben, ihre Probleme seien für andere zu viel – und dass man Depressionen nicht vergleichen oder messen kann. Es gibt kein „schlimmer“ oder „weniger schlimm“, für den einen ist es nicht wie für die andere.

Am Ende stand jedoch eine hoffnungsvolle Botschaft: „Niemand ist allein“ und „Hilfe ist möglich“. Diese wurde eindrucksvoll inszeniert, als eine Schattenwand Noahs Vater zeigte – einen Pragmatiker, dargestellt durch einen Hammer. Doch statt zuzuschlagen, verwandelte sich der Hammer in ein Boot, das Noah aus der Dunkelheit hinausbegleitete.

Mithilfe von stimmungsvoller Musik gelang es dem Treibkraft.Theater, Nähe zu schaffen, ohne zu überfordern. Schülernah, aber mit der nötigen Distanz erzählte „Nichttage“ von Schmerz, Sprachlosigkeit – und aber auch von Hoffnung. Ein Theatererlebnis, das lange nachwirkt und Mut macht, über die „Nichttage“ zu sprechen.

Im Galilei-Gymnasium finden sich zahlreiche Ansprechpartner, die im Bedarf kontaktiert werden können. Nicht zuletzt Frau Kliegel als Schulsozialarbeiterin oder Herr Timmer-Rosenbusch als Seelsorger sind vorbereitet und stehen unseren Schülerinnen und Schülern gerne zur Verfügung.

Weitere Info auch unter: https://www.treibkraft-theater.de/produktionen/nichttage