Hausaufgabenkonzept Sek I

Von Hausaufgaben zu Lernzeiten – wie geht das?

(Haus-) Aufgabenkonzept des Galilei-Gymnasiums Hamm,

Sekundarstufe I

0. Einleitung

BASS 12 – 63 Nr 3: Hausaufgaben

4.1 Grundsätze

Hausaufgaben sollen die individuelle Förderung unterstützen. Sie können dazu dienen, das im Unterricht Erarbeitete einzuprägen, einzuüben und anzuwenden. Sie müssen aus dem Unterricht erwachsen und wieder zu ihm führen, in ihrem Schwierigkeitsgrad und Umfang die Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Neigungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen und von diesen selbstständig ohne fremde Hilfe erledigt werden können. Sie dürfen nicht dazu dienen, Fachunterricht zu verlängern, zu ersetzen oder zu kompensieren oder Schülerinnen oder Schüler zu disziplinieren. Die Lehrkräfte berücksichtigen beim individuellen Hausaufgabenumfang, ob die Schülerinnen und Schüler insbesondere durch Referate, Vorbereitungen auf Klassenarbeiten und Prüfungen und andere Aufgaben zusätzlich gefordert sind.

Das vorliegende Konzept geht von einem erweiterten Verständnis selbständigen Arbeitens aus. Hausaufgaben stellen nur einen Bereich schulischen Lernens dar. Das Hausaufgabenkonzept des Galilei-Gymnasiums bezieht sich

  • sowohl auf den Bereich selbständigen Arbeitens (im Sinne der selbständigen Erledigung von Aufgaben unterschiedlicher Art), der vor dem Hintergrund des Ganztagskonzepts in den Tagesablauf integriert ist,
  • als auch auf Hausaufgaben im klassischen Verständnis, die am häuslichen Arbeitsplatz erledigt werden.

D.h., das vorliegende Hausaufgabenkonzept unterstreicht einerseits die Bedeutung der selbständigen Erledigung von Hauaufgaben am häuslichen Arbeitsplatz, bemüht sich aber andererseits um die Integration und Verzahnung beider Prozesse der selbständigen Erledigung von Aufgaben. Angesichts der Diskussion um die Schulzeitverkürzung nach G8 unter besonderer Berücksichtigung des gymnasialen Anspruchs im Rahmen des Ganztags soll am Galilei-Gymnasium die Belastung durch unterrichtsbegleitende Aufgaben unter anderem reduziert werden…

  • dadurch, dass sich nicht zwingend aus jeder Unterrichtsstunde Aufgaben ergeben.
  • durch bis zu vier „Lernzeiten“ für alle Schülerinnen und Schüler der Kl. 5 – 9,
  • dadurch, dass durch die verstärkte Einrichtung von Doppelstunden
  • Übungsphasen zunehmend in den Unterricht integriert werden,
  • dadurch, dass an Tagen mit Nachmittagsunterricht (mehr als sechs
  • Unterrichtsstunden) in Fächern, die auch am Folgetag auf dem Stundenplan stehen, keine Aufgaben aufgegeben werden,
  • durch das freiwillige und täglich stattfindende kostenfreie Betreuungsangebot (OLZ) für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 – 9.

1. Pädagogische Ziele

1.1 Selbstständiges Arbeiten

Die Schülerinnen und Schüler erwerben durch die Bearbeitung von Aufgaben die Fähigkeiten, sich und ihre Lern- und Arbeitsprozesse selbst zu organisieren. Im Prozess der selbstorganisierten und selbständigen Aufgabenbearbeitung in der Schule und am eigenen häuslichen Arbeitsplatz gelangen sie zu einer unverzichtbaren Selbsterfahrung eigener Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus werden die Grundlagen zur Entwicklung einer eigenen Arbeitsorganisation (Planung, Konzeption, Durchführung, Zeitmanagement) gelegt.

1.2 Ökonomisches Arbeiten

Die Bearbeitung schulischer Aufgaben ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern in besonderem Maße, die Notwendigkeit eines eigenen Zeitmanagements zu vermitteln. Anders als im Rahmen unterrichtlicher bzw. schulischer Erarbeitung gibt es keine vorgegebenen Zeitstrukturen. Vielmehr sind sie gezwungen, angesichts begrenzter zeitlicher Ressourcen produktive Organisationsformen zu entwickeln. Unter dem Aspekt der Produktivität lernen sie so z.B. die verschiedenen Arbeitsmethoden zu bewerten und anzuwenden. Es besteht auf diese Weise die Chance, dass Methoden in der Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler den Charakter von ihnen äußerlich bleibenden Lerninhalten verlieren und zukünftig exemplarisch als effektive Hilfsmittel und Werkzeuge erkannt und zielgerichtet eingesetzt werden. Darüber hinaus zielt der Gesichtspunkt der Produktivität auf die Notwendigkeit effektiven Arbeitens.

1.3 Sichern von Lerninhalten

Auch wenn es im Fachunterricht selbst zur Einübung und Vertiefung des Gelernten kommt, bedarf es darüber hinaus notwendig der Wiederholung und des Übens. Dies gilt in besonderer Weise für den Sprachunterricht (Vokabellernen), aber auch für alle anderen Fächer, in denen es immer wieder darum geht, Formeln, Theorien, Merksätze, Regeln, Daten, Zahlen und Fakten detailliert einzustudieren. Dies kann nicht mittels kooperativer Verfahren funktionieren, sondern setzt den individuellen und intensiven Einsatz voraus.

1.4 Problemorientierung

Ein wichtiges Ziel des Gymnasiums ist es, nicht nur Inhalte möglichst präzise reproduzieren zu können, sondern diese auch in problemorientierter Perspektive anzuwenden. Die individuelle Auseinandersetzung mit Aufgaben bietet die Möglichkeit, sich einerseits mit der Bedeutung der Aufgabenstellung auseinanderzusetzen, andererseits die eigenen Arbeitsergebnisse in größeren Zusammenhängen zu reflektieren.

1.5 Entwicklung von Arbeitshaltungen

Inhaltliche und formale Präzision sind elementare Grundlagen wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens. In wissenschaftspropädeutischer Perspektive ist es somit notwendig, die hierzu erforderlichen Dispositionen und Fähigkeiten zu entwickeln und zu üben. Auch die Entwicklung von Selbstdisziplin, Ausdauer und Engagement kann durch eigenständiges und selbstverantwortetes Handeln entwickelt werden.

2. Rechtliche Grundlagen

2.1 Integration der (Haus-)Aufgaben in das Ganztagskonzept am Galilei-Gymnasium

Hausaufgaben an Ganztagsschulen: An Ganztagsschulen (§ 9 Absätze 1 und 3 SchulG) treten in der Sekundarstufe I Lernzeiten an die Stelle von Hausaufgaben. Die Lernzeiten sind so in das Gesamtkonzept des Ganztags zu integrieren, dass es in der Regel keine schriftlichen Aufgaben mehr gibt, die zu Hause erledigt werden müssen.

Die pädagogisch sinnvolle und praktische Umsetzung dieser Bestimmung erfordert zunächst eine inhaltliche Differenzierung verschiedener Aufgabentypen und -anlässe:

Zu unterscheiden sind

  • kurzfristige Aufgaben die dazu dienen, das im Unterricht Erarbeitete einzuprägen, einzuüben und anzuwenden, bzw. zur Vorbereitung neuer Aufgaben genutzt werden, die im Unterricht zu lösen sind und

längerfristige Aufgaben, die Gelegenheit zu selbständiger Auseinandersetzung mit einer begrenzten neuen Aufgabe bieten und damit dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler fertig werden, Lernvorgänge selbst zu organisieren sowie Arbeitstechniken und Arbeitsmittel selbst zu wählen und einzusetzen. Das Unterrichtskonzept des Galilei-Gymnasiums sieht verschiedene Formen des selbständigen Lernens und Arbeitens während der Unterrichtszeit vor. Hierzu zählen bis zu vier Lernzeiten pro Jahrgangsstufe (von Kolleginnen und Kollegenbegleitet) sowie das Angebot der OLZ (im Rahmen der Ganztagskonzeption angebotene freiwillige Lernzeit, die durch Schülerinnen und Schüler der Oberstufe begleitet wird).

2.2 Lernzeit

Die Lernzeit dient der selbständigen Bearbeitung von Aufgaben. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden mit Hilfe ihrer Schulplaner selbständig über die Art, Abfolge, und Quantität der Aufgabenerledigung. Die Lernzeit dient dabei insbesondere der Erledigung von Aufgaben im klassischen Verständnis.

2.3 Schulplaner

Der Schulplaner ist ein persönliches Aufgabenheft, das alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 – 9 jeweils zu Beginn des Schuljahres anschaffen. Neben einem Kalendarium enthält der Schulplaner auch Dialoginstrumente, sodass sich alle an der Erziehungspartnerschaft Beteiligten einen raschen Überblick über die Lernfortschritte, anstehende Prüfungen etc. verschaffen können. Auch kann mit Hilfe des Schulplaners der Kontakt zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern kurzfristig hergestellt werden.

2.4 Zeitlicher Rahmen

Hausaufgaben sind so zu bemessen, dass sie, bezogen auf den einzelnen Tag, in folgenden Arbeitszeiten erledigt werden können:

für die Klassen 5 bis 7 in 60 Minuten

für die Klassen 8 bis 9 in 75 Minuten.

Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Sperrzeiten (an Tagen mit Nachmittagsunterricht werden keine Aufgaben für den Unterricht des Kommenden Tages gestellt; Schülerinnen und Schüler, die am Dienstagnachmittag an Veranstaltungen der Kirchen teilnehmen, haben an diesem Tage keine Aufgaben zu erledigen) erfolgt die häusliche Aufgabenerledigung im gebundenen Ganztag ausschließlich am Dienstag und am Freitag. Diese Nachmittage stehen allen Fächern zur Verfügung.

Die Koordination dieser begrenzten terminlichen und zeitlichen Ressourcen übernimmt zu Beginn eines Halbjahres auf Basis des konkreten Stundenplanes einer Klasse die Klassenkonferenz.

2.5 Inhalt und Form von (Haus-)Aufgaben

  • Hausaufgaben zur Übung, Vertiefung und Festigung: Sie dienen der Reproduktion von Inhalten und der Automatisierung grundlegender Fertigkeiten. Sie sollten darüber hinaus eine Vernetzung mit dem Erarbeiteten ermöglichen, das Entdecken von Zusammenhängen und die Anwendung in verschiedenen Kontexten.
  • Hausaufgaben zur Vorbereitung: Sie dienen zur Vorbereitung eines bestimmten Themas, wecken das Interesse oder benennen ein Problem aus der Lebenswelt der Schüler. Referate bzw. eine mediale Aufbereitung von Inhalten durch Schülerinnen und Schüler (Erstellen von Multimedia-Präsentationen) sind dabei langfristig einzuplanen.
  • Hausaufgaben zur Reflexion und Vernetzung: Sie dienen der Diagnose des Lernleistungsniveaus und ermöglichen dem Schüler einen konstruktiven Umgang mit den eigenen Fähigkeiten.
  • Hausaufgaben zur Förderung des eigenständigen Arbeitens: Sie ermöglichen dem Schüler eigene Wege zum Problemlösen zu entdecken und individuelle Strategien zu entwickeln.

2.6 Methoden selbstständigen Arbeitens

Die Schülerinnen und Schüler des Galilei-Gymnasiums werden in der Jahrgangsstufe 5 während der Projekttage um Thema „Lernen lernen“ methodisch an das selbständige Arbeiten herangeführt. Hierbei geht es besonders um den formalen Rahmen der Aufgabenerledigung, beginnend bei der Heft- und Mappenführung bis hin zur Gestaltung des häuslichen Arbeitsplatzes. Auch die Arbeit in der Lernzeit und der Umgang mit dem Schulplaner werden systematisch geübt, um bereits frühzeitig die Selbstorganisation der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Methoden der inhaltlichen Arbeit werden innerhalb der einzelnen Fächer vermittelt.

2.7 Bewertung

Da u.a. der Anteil der Eigenleistung im Lernprozess bearbeiteter Aufgaben nur unzureichend festgestellt werden kann, werden Hausaufgaben in der Regel nicht bewertet, werden jedoch unter pädagogischen Aspekten gewürdigt. Ausnahmen von dieser Regel stellen sowohl wiederholte besondere Leistungen als auch Leistungsverweigerungen dar. Diese können in die Leistungsbewertung einbezogen werden.

2.8 Integration in den Unterricht

Das erweiterte Verständnis selbständigen Arbeitens (Erledigung der Aufgaben in häuslicher Arbeit, Lernzeiten in der Schule) macht eine enge Verzahnung der Aufgabenbearbeitung mit dem Fachunterricht notwendig. Den Schülerinnen und Schülern muss zu jeder Zeit der Stellenwert ihres Lernens für ihren eigenen Lernfortschritt transparent sein, d.h. zu Beginn eines jeden Schuljahres informieren die Kolleginnen und Kollegen auf Basis dieses Hausaufgabenkonzeptes und der Spezifizierung durch die jeweiligen Fachkonferenzen ihre Klassen und Lerngruppen darüber, wie die Aufgabenerledigung und die Integration in den Fachunterricht formal, zeitlich und inhaltlich erfolgen werden.

2.9 Zusammenarbeit mit den Eltern

Die gesetzliche Verpflichtung und der pädagogische Anspruch zur engen Zusammenarbeit mit den Eltern erfährt dadurch Realisierung, dass die Kooperation mit den jeweiligen Elternhäusern integraler Bestandteil des Förderkonzepts und der Förderpraxis am Galilei-Gymnasium ist. In den von den Klassenleitungsteams oder Fachlehrerinnen und Fachlehrern geführten Gesprächen werden individuell abgestimmte Absprachen getroffen, um in enger Kooperation zwischen Schule und Elternhaus die Leistungen der Schülerinnen und Schüler bei der Aufgabenbewältigung zu verbessern. Im Rahmen der Treffen der Fachkonferenzen, der Erprobungsstufe und der Mittelstufe sind insbesondere die Quantität und Qualität der Aufgabenbearbeitung immer wieder Gegenstand der Erörterung, sodass die Schule zeitnah Rückmeldung über die Wirksamkeit der einzelnen Fördermaßnahmen in diesem Bereich erhält.

2.10 Evaluation

Umfang und Verteilung der Hausaufgaben sowie Qualität und häusliches Umfeld sollen auch weiterhin mit den Schülerinnen und Schülern, den Kolleginnen und Kollegen (vor allem der Klassenteams), den Fachkonferenzen, den Klassenpflegschaften und den Eltern regelmäßig erörtert werden, sodass das Konzept ständig überprüft und gegebenenfalls überarbeitet bzw. ergänzt werden kann. Eine Überprüfung findet am Ende des Schuljahres statt.

 

Schülerinnen und Schüler

  • notieren alle Aufgaben in ihrem Schulplaner.
  • fragen nach, falls die Aufgabenstellung falls die Aufgabenstellung nicht klar sein sollte.
  • bearbeiten alle Aufgaben sorgfältig.
  • erkundigen sich bei Fehlzeiten selbstständig nach den in dieser Zeit gestellten Aufgaben und arbeiten diese nach.
  • bemühen sich um Lernpartnerschaften in der Klasse.

Lehrerinnen und Lehrer

  • planen ausreichend Zeit ein, um die Aufgaben in Ruhe zu stellen und Rückfragen beantworten zu können.
  • bemühen sich Aufgaben nach Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Schülerinnen und Schüler differenziert zu erteilen.
  • würdigen Aufgabenbearbeitungen unter pädagogischen Gesichtspunkten.
  • beziehen Aufgaben in ihren Unterricht mit ein.

Eltern und Erziehungsberechtigte

  • wirken mit: Sie interessieren sich für den Lernfortschritt ihrer Kinder und überprüfen, ob die Aufgaben vereinbarungsgemäß angefertigt wurden.
  • dokumentieren die Führung des Schulplaners.
  • erhalten bei wiederholter Nichtanfertigung oder unsachgemäßer Erledigung von Aufgaben eine Mitteilung.