Ganztag

Konzept: Ganztag am Galilei-Gymnasium

1. Einleitung

Konzeptionelle Basis:
Konzeptionelle Basis unseres Ganztagskonzepts sind das Schulprogramm und der Pädagogische Grundkonsens unserer Schule. Das vorliegende Konzept geht von dem Befund einer sich rasant verändernden und beschleunigenden Pluralität von Lebenslagen von Kindern und ihrer Familien aus. Gerade in einem Stadtteilgymnasium wie unserer Schule, die sich in einem sozial sehr heterogenen Umfeld mit einigen sozialen Brennpunkten befindet, stellen Bildung und Erziehung eine Einheit dar. Im Mittelpunkt steht dabei die Schülerin bzw. der Schüler. Unsere Schule befindet sich somit im Spannungsfeld zwischen Elternrecht und -pflicht einerseits und dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag andererseits. Die Nachfrage nach einer Betreuung der Schüler an möglichst vielen Nachmittagen in der Woche nimmt insbesondere aufgrund der häufigen Berufstätigkeit bzw. aufgrund einer wachsenden Zahl alleinerziehender Eltern immer mehr zu. Gleichzeitig ist mit der Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs auf acht Jahre eine Erhöhung der wöchentlichen Unterrichtsstunden verbunden: Die wöchentliche Gesamtstundenzahl in allen Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I beträgt 163 Stunden, 13 Wochenstunden mehr als die bisherigen 150 Wochenstunden. Da maximal an fünf Wochentagen sechs Stunden täglich in den fünf Jahrgangsstufen vormittags unterrichtet werden können, entfallen mindestens 13 Stunden formal auf den Nachmittag. Die Verteilung dieser erhöhten Wochenstunden auf die Jahrgangsstufen und deren Einbindung in den wöchentlichen Stundenplan ist für alle Gymnasien des Landes verbindlich.

2. Ziele des Ganztags

Gesellschaftliche Ziele:

  • Umfassende und individuelle Bildungsförderung aller Kinder und Jugendlichen, unabhängig von ihrem jeweiligen sozialen und kulturellen Hintergrund
  • Öffnung von Schule durch Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe, mit sozialen und kulturellen Einrichtungen
  • Kreative Freizeitgestaltung durch Einbeziehung außerschulischer Angebote, z.B. von Jugendhilfe, Musikschule Radbod, Sportvereinen

Pädagogische Ziele:

  • Soziales Lernen über verschiedene Altersgruppen hinweg durch Angebote, die das Leben und Lernen in Gemeinschaft, respektvollem Umgang miteinander und sozialer Kompetenz fördern. Das intensive Zusammenleben von Schülerinnen und Schülern aus besonders heterogenen kulturellen und sozialen Milieus schafft das Verständnis für „Anders-Sein“. In diesem Kontext führt das Galilei-Gymnasium seit einigen Jahren in den Klassen 7 unter Anleitung besonders dafür ausgebildeter, externer Trainer das sogenannte „Coolness-Training“, ein Sozialtraining, durch. Auf Initiative unserer SV beteiligt sich unsere Schule zur Zeit auch an der Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, ergänzt durch den Aspekt „Schule ohne Homophobie“.
  • Individuelle Förderung
    • Bildungsauftrag des Gymnasiums: Auch unter den spezifischen Bedingungen des Standorts vertritt das Galilei-Gymnasium auftragsgemäß gymnasiale Standards, d.h., das Ziel unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit bleibt es, die Schülerinnen und Schüler zur Studierfähigkeit zu führen. Im Bewusstsein der Verpflichtung zu individueller Förderung vertreten wir den Anspruch einer angemessenen Wissenschaftspropädeutik.
    • Ziele der individuellen Förderung im Ganztag am Galilei-Gymnasium sind die Entdeckung und Stärkung von Interessen und damit auch Ausbau vorhandener Begabungen. Damit wenden wir uns gegen ein rein defizitorientiertes Förderkonzept.
    • Die Schülerinnen und Schüler können sich außerhalb des regulären Unterrichts besonderen Aufgaben widmen und ihren individuellen Interessen nachgehen, z.B. durch die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften und Wettbewerben, im Erlangen von Zusatzqualifikationen, in der Vorbereitung von Aufführungen, in der Übernahme von Verantwortung für jüngere Schülerinnen und Schüler (OLZ, Sporthelfer, AG-Leiter).

3. Rechtliche Grundlagen und praktische Umsetzung

  • Erlasslage: Rechtliche Grundlage für unsere Arbeit ist der Runderlass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung (BASS 12–63: Gebundene und offene Ganztagsschulen sowie außerunterrichtliche Ganztags- und Betreuungsangebote in Primarbereich und Sekundarstufe I (RdErl. d. Ministeriums für Schule und Weiterbildung v. 23.12.2010 (ABl. NRW. 01/11 S. 38, berichtigt 02/11 S. 85))).
  • Zeitlicher Rahmen:
    • An drei Tagen (Montag, Mittwoch, Donnerstag) von 8.00 – 15.00 Uhr
    • Mittagspause von 12.25 – 13.25 Uhr
    • Zwei „kurze“ Tage mit Unterricht von 8.00 bis 13.15 Uhr
  • Raumkonzept:
    • Mensa (180 Plätze) und McGalli (Caféteria, 70 Plätze)
    • Gestaltung des Pausenhofs durch Fußballtore, Basketballkorb und Tischtennisplatten, Ausgabe von Sport- und Spielgeräten, dadurch Anregung zu einer „aktiven“ Pause
    • Spieleraum mit Gesellschaftsspielen, Air-Hockey, Kicker
    • Snoezle-Raum mit Teppich und FatBoys für Ruhe und Entspannung
    • Bibliothek mit Computer-Arbeitsplätzen für die Klassen 5 und 6
    • Lese-/Ruheraum mit Hörstationen für die Klasse 7
    • Speziell ausgewiesene Klassenräume als Aufenthaltsräume (zur Unterhaltung und zum Ausruhen) während der Mittagspause
    • Arbeits- und Rückzugsbereiche für Lehrkräfte: Außer den Lehrerzimmern und den Sammlungsräumen stehen zwei Lehrerarbeitsräume mit Computerarbeitsplätzen zur Verfügung.

4. Instrumente des Ganztags

  • Rhythmisierung: Günstig ist aus lernpsychologischer Sicht ein Wechsel zwischen Lern- und Entspannungszeiten. Die einstündige Mittagspause bietet die Möglichkeit zum Essen und zu einer wirklichen Pause. Der Fachunterricht erfolgt vorwiegend in Doppelstunden. Neben der äußeren Rhythmisierung durch die Gestaltung des Tages ist auch eine innere Rhythmisierung mittels entsprechender Unterrichtsgestaltung möglich, denn bei Doppelstunden können Übungsphasen in den Unterricht einbezogen, Formen kooperativen Lernens häufiger genutzt werden. Mit dieser Verlangsamung durch Verringerung des Raum- und Fachlehrerwechsels wird auch einer allgemeinen Hektik und Hast entgegengewirkt. Weniger Fächer pro Tag bedeuten auch, dass der Tornister leichter wird.
  • Pädagogische Übermittagbetreuung als offenes Angebot, das den Schülerinnen und Schüler sowohl Bewegungs- und Entspannungsangebote als auch Förderangebote ermöglicht: Bewegungsorientierung (Pausenhof, Ballspiele), Ruheorientierung (Snoezle-Raum, Lesen in der Bücherei), Kontaktorientierung (Pausenhof, Gesellschaftsspiele, Air-Hockey und Kicker). Die Übermittagsbetreuung bietet Raum für Engagement der Eltern, den Einbezug außerschulischer Partner sowie die Mitarbeit älterer Schülerinnen und Schüler.
  • Lernzeiten: Je nach Jahrgangsstufe dienen die bis zu vier Lernzeiten pro Woche der selbständigen Bearbeitung von Aufgaben. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden mit Hilfe ihrer Schulplaner selbständig über die Art, Abfolge und Quantität der Aufgabenerledigung. Die Lernzeit dient dabei insbesondere der Erledigung von Aufgaben im klassischen Verständnis.
  • Schulplaner: Der Schulplaner ist ein persönliches Aufgabenheft, das alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5-9 jeweils zu Beginn des Schuljahres anschaffen. Neben einem Kalendarium enthält der Schulplaner auch Dialoginstrumente, sodass sich alle an der Erziehungspartnerschaft Beteiligten einen raschen Überblick über die Lernfortschritte, anstehende Prüfungen etc. verschaffen können. Auch kann mit Hilfe des Schulplaners der Kontakt zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern kurzfristig hergestellt werden.
  • Mensa: In unserer Mensa können die Schülerinnen und Schüler jeden Tag ein gesundes, warmes Mittagessen zu sich nehmen. Das Verlassen des Schulgeländes während der Mittagspause ist nicht erlaubt. Die Teilnahme am Mittagessen ist freiwillig, an den langen Unterrichtstagen jedoch wünschenswert. In der ab 12.25 Uhr geöffneten Mensa kann das vorbestellte Mittagessen verzehrt werden. Auch besteht die Möglichkeit zum Spontanessen, falls eine Vorbestellung am Vortag versäumt wurde. Der Aufenthalt in der Mensa ist auch erlaubt, um belegte Brötchen aus dem McGalli bzw. von zu Hause mitgebrachte Speisen im Esssaal zu verzehren. Das Personal der Mensa wird unterstützt durch Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I. Nicht nur, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Arbeit lernen, Verantwortung für die Schulgemeinde zu übernehmen, auch ist diese Arbeit ein geldwerter Vorteil für den Anbieter. So können die Preise für das warme Mittagessen auf einem erträglichen Niveau gehalten werden.
  • OLZ (durch Schülerinnen und Schüler der Oberstufe betreute LernZeit): Die Betreuung der Hausaufgaben findet in der Zeit von 14.15– 15.45 Uhr statt. In Stillarbeit sollen die Kinder ungestört und konzentriert ihre Hausaufgaben erledigen. Für Nachfragen stehen Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zur Verfügung, die den Kindern Hilfestellung bei der Erledigung der Hausaufgaben geben können.
  • Arbeitsgemeinschaften: Am Nachmittag kann jede Schülerin/jeder Schüler an Arbeitsgemeinschaften teilnehmen. Diese werden angeboten aus den Bereichen Musik/Kunst, Sport, Naturwissenschaften.
  • Elternschule: Im Rahmen der Elternschule Hamm führen wir bei uns am Galilei-Gymnasium direkt im Anschluss an die Sommerferien Workshops/Info-Abende für die Eltern der neuen 5. Klassen durch, auf denen wir zu Themen wie „Lernorganisation in Schule und Elternhaus, Erziehungsstile“ arbeiten, aber uns auch zu Fragen der sozialen Medien (Whatsapp und Co) austauschen. Auch wird das das Programm um das Thema „Vorurteile/Klischees“ erweitert, um die Eltern ansatzweise mit unserem Anliegen für eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu sensibilisieren.
  • Schulsozialarbeit: Die Angebote im Rahmen der Schulsozialarbeit sind primär ausgerichtet auf die Schülerinnen und Schüler des Galilei-Gymnasiums sowie deren Familien und anderen Bezugssystemen. Die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, die präventive Abwendung von Risiken und/oder Gefährdungen, die Sicherung schulergänzender Maßnahmen sowie Interventionen in konkreten Problemlagen bilden die Eckpfeiler der schulsozialarbeiterischen Tätigkeit:
    • Sozialtraining
      • Übungen zur Förderung der Lern- und Arbeitsatmosphäre
      • Übungen zur sozialen Kompetenz
      • Klassengemeinschaft / Klassenregeln
      • Lernen lernen / Motivationstraining
      • Prüfungstraining / Bewerbungstraining
      • Aufgreifen spezieller Themen
    • Einzelfallhilfe
      • Beratungen bei Schulschwierigkeiten
      • Beratungen in Lebensfragen
      • Kriseninterventionen
      • Langfristige Beratung/ Eltern und Familienarbeit
      • Vermittlung / Begleitung in spezielle Fachdienste
      • Kooperationen mit dem Jugendamt

5. Akteure des Ganztags

  • Schülerinnen und Schüler
  • Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiterin, Bildungsbegleitung
  • Eltern und Erziehungsberechtigte: Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und Erziehungsberechtigten ist erwünscht. Sie sollen in den Entscheidungsprozess über die Strukturierung und inhaltliche Gestaltung des Ganztagsangebotes einbezogen werden, können in Arbeitsgemeinschaften oder Projekten mitwirken oder diese in Eigenverantwortung leiten.
  • Steuergruppe Ganztag: Die „Steuergruppe Ganztag“ arbeitet in enger Kooperation mit der Schulleitung und dem Team der Erprobungsstufe, greift aber auch Impulse der Mittelstufe zur konzeptionellen Ausrichtung des Ganztagsangebotes auf. Neben pädagogischen Aspekten (z.B. zum Förderkonzept und zur AG-Planung) werden auch Fragen zur Rhythmisierung (Vorschläge zur Stundenplangestaltung), Kapitalisierung, Budgetierung und Mensa erörtert. Die von der Gruppe angestoßenen und anschließend durchgeführten Projekte werden mit dem Kollegium und der Schulgemeinde (hier: Lehrer- und Schulkonferenz) abgestimmt und nach Beendigung (einmal jährlich) evaluiert.

Das Ganztagskonzept finden Sie hier als pdf-Datei.