Deutsche Schüler Akademie in Urspring: Ein Raumschiff hoch über den Wolken

IC 2012 – das ist die Nummer des Zuges, in dem ich sitze und trotz der brütenden Hitze einen Pulli trage. Auf dem Pulli steht auf der Vorderseite – eingepflegt in das NASA-Logo – „DSA“,,. Auf der Rückseite stehen dutzende Namen. Ich schaue aus dem Fenster und lasse die vergangen Wochen Revue passieren. Das Abenteuer war großartig, aber leider nur von kurzer Dauer. Ich finde es ist praktisch unmöglich, die Gefühle, Aktionen und die Atmosphäre der letzten 16 Tage in Worte zu fassen. Ich versuche es aber mal!

Das DSA-Abenteuer fing bereits mit dem Vorschlag durch Frau Roßmeyer bei der Deutschen SchülerAkademie am Anfang dieses Jahres an. Hiermit begann meine Bewerbung für die Deutsche SchülerAkademie. Am 1. März bekam ich eine Mail mit dem Aufruf zur Kurswahl, woraufhin ich mir das Programm von der Homepage der DSA heruntergeladen und einen Erstwunsch und vier Alternativwünsche aus den über 60 Kursen ausgesucht habe. Mein Erstwunsch stand ganz schnell fest: Kurs 4.4 – Intellekt, Macht, Verschätzung. Dieser Latein-Kurs beschäftigt sich mit den Manipulationsversuchen, Machtkomplexen und Momenten der Selbstdarstellung und -täuschung im antiken Rom (vom Ende der res publica bis hin zur Adoptivkaiserzeit). Dabei setzen wir uns in gleichen Teilen mit den geschichtlichen Ereignissen und den lateinischen Lektüren auseinander.

Am 30. April kam dann der langersehnte große Umschlag der DSA: Ich hatte eine Zusage für meinen Erstwunsch erhalten und freute mich damit auf zweieinhalb aufregende Wochen in der Urspringschule (Schelklingen, Baden-Württemberg). Mit der Zusage kam auch der Willkommensbrief meiner Kursleiter, Waldemar und Christine, mit der Bitte, zwei beiliegende lateinische Texte zu übersetzen und zurückzuschicken (Prosa – Cicero und Poesie – Manilius). Kurz darauf kam auch unser 58 Seiten langer Reader, eine Textsammlung voller Sekundärliteratur zur römischen Geschichte, aber auch voller philosophischer Texte zu verschiedenen Machtkonzepten. Im Anschluss wurden auch unsere Referatsthemen verteilt, zu denen jeder ein etwa 30-60 Minuten langes interaktives Referat halten sollte. Mein Referatsthema lautete (wofür ich mich sehr begeistern konnte): „Ziele und Absichten der antiken römischen Geschichtsschreibung nach Livius (Ab urbe condita) und Tacitus (Annales und Agricola)“.

Die Akademie selbst fand vom 02.08.2018 bis zum 18.08.2018 statt. Folglich hatte ich zwei Wochen der Sommerferien auf jeden Fall Zeit mein Referat zu erarbeiten (Die Themen waren sehr komplex, sodass googeln nicht ausreichte.) und den Reader zu lesen – Zeit, die auch tatsächlich dafür brauchte. Als ich mich morgens um 9 Uhr am 02.08.2018 auf den Weg machte, war ich voller Vorfreude auf die folgenden 16 Tage. Schon im Zug traf ich bereits einige von der DSA. Sofort unterhielten wir uns über unser Vorbereitungsarbeiten für die DSA und tauschten uns über unsere Wohnorte aus. In Urspring angekommen, wurden wir freundlich von unseren Akademie- und Kursleitern empfangen und zu unseren Zimmern geleitet. Daraufhin war es uns freigestellt, an einer Rallye teilzunehmen. Nach dem Abendessen startete die Akademie offiziell mit dem Eröffnungsplenum. Hier wurde uns erklärt, dass unsere SchülerAkademie wie ein Raumschiff ist, das nun vom Boden abhebt. Wir wären nun zusammen isoliert und abgeschottet von der Umwelt, die uns umgibt. Hier würden wir nun die folgenden 16 Tage verbringen und uns selbst und die Welt von einer anderen Sicht sehen. Der erste Tag endete mit dem ersten Treffen in den Kursen. Folgende Kurse wurden außer meinem Kurs auf der Akademie in Urspring angeboten: 4.1 – Diskrete Mathematik, 4.2 – Virtueller Windkanal, 4.3 – Kooperation testen, 4.5 – Hat der Sozialstaat ausgedient? und 4.6 – Die Kunst des Reisens. Am nächsten Tag erlebten wir unseren ersten Akademietag: Der Tag begann mit einem schmackhaften Frühstücksbuffet, worauf das Morgenplenum folgte. Hier werden organisatorische Fragen geklärt und der Tagesablauf vorgestellt. Daraufhin standen zwei Kursschienen an – jeweils etwa von einer Länge von 90 Minuten. Zwischendrin findet sich eine kurze Kaffeepause, die gerade gegen Ende der Akademie vorrangig dazu genutzt wurde, um sich in Koffein zu ertränken, um wach zubleiben. Nach den Kurseinheiten folgte das Mittagessen. Sobald wir fertig gegessen hatten, gingen wir in die Urspringkirche, wo täglich unsere Chorprobe stattfand. Nach 2 Stunden Chor stand erneut eine Kaffeepause an. (Man hatte zwischendrin schon das Gefühl, dass man ständig am Essen und Trinken war.) An diese Kaffeepause schloss sich die dritte Kursschiene an, die 2 Stunden lang war. Nach dem Abendessen, das nach dieser Kursschiene anstand, fanden die heißgeliebten KüAs (kursübergreifende Angebote) statt. Eine KüA konnte von jedem angeboten werden und kann jede erdenkliche Tätigkeit sein: von Gebärdensprache über gemeinsames Backen bis hin zu einem Sprachenklang-Abend war alles möglich. So konnte ich mir jeden Abend einen sehr abwechslungsreichen Abend gestalten.

Sehr angetan hatte meinen Kurs vor allem eines: das Backen und Kochen. Wir trafen uns oft mitten in der Nacht, um Pfannkuchen zu machen, Omelette oder French Toasts zu kochen, Kuchen zu backen oder auch einfach alle restlichen Zutaten zusammenzuschließen und zu schauen, was sich daraus noch machen lässt. Eine Nachtruhe gab es nicht, also konnte man tatsächlich so lange wach bleiben, wie lange man wollte. Über die 16 Tage baute sich ein sehr großes Schlafdefizit auf, sodass man nicht selten zwischen den Kurseinheiten ein bisschen geschlafen hat.

Natürlich waren nicht alle 16 Tage so aufgebaut. Sonntags fiel vormittags der Kursunterricht aus, sodass wir alle genug Freizeit hatten und an einem Brunch teilnehmen konnten. Der erste Dienstag war unser Exkursionstag, an welchem verschiedene Exkursionen angeboten wurden, die man wählen konnte: u.a. eine Kanutour, eine Wanderung, ein Radtour oder auch eine Fahrt nach Ulm. Ich selbst entschied mich für die Fahrt nach Stuttgart, wo uns eine sehr schöne Führung und sehr viel Freizeit erwartete. Am ersten Samstag fand unser Rotationstag statt, an dem in den ersten beiden Kursschienen ein Rotierungsprogramm stattfand, sodass alle Teilnehmenden einmal den eigenen Kurs anderen Teilnehmen vorstellen mussten und Einblicke in die fünf anderen Kurse erhielten. Nachmittags wurde im Kursverband der Rotationstag ausgewertet. Abends fand das große Sportturnier, ein postmoderner Fünfkampf zwischen allen Kursen, statt, den mein Kurs zwar nicht gewonnen hat, aber trotzdem hatten wir ziemlich viel Spaß! Der Tag wurde mit der großen Halbzeitparty beendet.

Die zweite Woche war größtenteils für die Dokumentation vorgesehen: Jeder Kurs musste eine etwa 80 000 Zeichen lange Dokumentation über ihre Kursergebnisse schreiben, um sie wissenschaftlich richtig und exakt festzuhalten. Oft musste man seine Texte 3-4 mal überarbeiten, bis alle Formulieren und Aussagen stimmig waren. Das konnte auch mal ein bisschen anstrengender sein. Schlussendlich wurden wir aber auch mit dieser Hürde fertig, sodass die Akademie mit einem großen Konzert, auf dem sich unter anderem der Chor präsentierte, einem Abschlussabend und einer Abschlussparty beendet wurde. Am zweiten Samstag, also heute Morgen, fand zum letzten Mal das Plenum statt, auf dem wir alle verabschiedeten wurden. Die meisten von uns hatten sich entschlossen, unseren DSA-Pulli, der von einigen Teilnehmenden entworfen worden war und den wir vor einigen Tagen erhalten hatten anzuziehen. Unter Tränen gaben wir unsere Schlüssel ab und verabschiedeten uns. Aber wir sind alle überzeugt davon, dass wir uns alle bald auf einem selbstorganisierten Nachtreffen sehen werden. So sitze ich hier im Zug IC 2012, schreibe diesen Bericht, schaue aus dem Fenster und lasse die letzten zwei Wochen Revue passieren.

An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei Frau Roßmeyer für ihren Vorschlag und ihre Unterstützung. Ohne sie hätte ich nicht an der DSA teilnehmen können, hätte viele tolle Menschen niemals getroffen und großartige Freundschaften nicht geschlossen, die hoffentlich ein Leben lang halten!

von
Vithujan Paraparan

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